IGBAU -Forstliche Mitteilungen Juli / August 2020

Sturmwürfe, Käferholz und andere zufällige Nutzungen führen vor allem in Forstrefieren mit viel Kleinprivatwald zu extrem hohen Fallzahlen mit einem komplexen Organisationsaufwand. Schnelles und effektives Handeln ist für alle Beteiligten erforderlich, um der Situation rechtzeitig Herr zu werden.

Die intelligente Nutzung digitaler Techniken kann da eine große Hilfe sein. Die Firma NetwakeVision bietet ein leistungsfähiges Angebot, mit dem ganz neue Verfahrensabläufe möglich sind. Das System ist intensiv vernetzt, „sehr lebendig“ und „atmet“.

Daten werden auf der mobilen App mit individuell gestaltbaren Masken erfasst und sofort mit dem Portal synchronisiert. Dort können die Daten bei Bedarf ergänzt und entweder automatisiert oder gezielt an die Aufarbeitenden weitergegeben werden. Diese finden durch das hochgenaue GPS-Erfassungsmodul „RoyalFix“, das mit dem Smartphone oder Tablet gekoppelt wird, selbst im kleinstparzellierten Privatwald die Flurstücksgrenzen oder die gewünschte Position und können so exakt arbeiten.

Auf ihrem Bildschirm sehen sie die Einsatzorte, können sich effektiv organisieren und bei Bedarf durch GoogleMaps auch hinnavigieren lassen. Die Daten werden dann innerhalb der Aufarbeitungskette ergänzt weitergegeben, und der Revierleiter hat zu jedem Zeitpunkt einen genauen Überblick über den Stand auf der Fläche. In den Erfassungsmasken lassen sich Bilder vor Ort einfügen und Flächen zentimetergenau erfassen. Es können Unterschriften auf dem Mobilgerät geleistet, Unteraufträge erstellt, Alarmmeldungen verschickt und noch viele andere Funktionen je nach Bedarf aktiviert werden. Informationen, wie Bilder oder Standorte, können auch von WhatsApp oder anderen Messengern auf das System eingespielt und auch an diese mit wenigen Klicks wieder hinausgegeben werden. Ein Datenimport und Export im Portal ist mit den gängigen Systemen, wie CSV, Shape, KML oder auch WMS/WFS, ohne viel Aufwand möglich.

Sturmwuerfe_drohnenansicht

In einem Forstrevier werden zum Beispiel Sturmwürfe mit einer RTK genauen Drohne beflogen. Im so entstandenen Ortho-Luftbild werden die umgestürzten Bäume markiert und die Koordinaten an Netwake gesendet. Dort wird automatisch jeder Baum einem Flurstück zugeordnet und ist sofort auf der App der Akteure vor Ort visuell sichtbar. Jetzt weiß der Aufarbeitende, wo noch ein Baum liegt, zu welchem Flurstück er gehört, und es wird nichts vergessen.

Rückegassen_Ansicht

Bei der kombinierten Aufarbeitung sieht der Zufäller auf seinem Handy nicht nur die Flurstücksgrenzen und die zu bearbeitenden Bäume, sondern auch die nächstgelegene Rückegasse und kann so optimal arbeiten. Ebenso sieht der Rücker, wo Holz bereits aufgearbeitet, und wer der Eigentümer ist. Der Revierleiter weiß zu jeder Zeit, welches Holz er jetzt aufnehmen kann.

Viele Waldbesitzer kennen in ihren Kleinprivatwäldern die Flurstücksgrenzen nicht. Mit dem hochgenauen RoyalFix ist es möglich, im Wald unter Schirm mit einer Genauigkeit von unter einem Meter – bei verfügbaren Mobildaten meist nur wenige Zentimeter – diese Grenzen festzustellen.

Das Einlegen und Wiederauffinden von Rückegassen sind in den bisher praktizierten forstlichen Verfahren unbefriedigend gelöst. Vor allem das Wiederauffinden nach Sturmereignissen oder
bei der Erstdurchforstung in dichten Beständen gelingt meist nicht.
Mit dem RoyalGPS-System ist es möglich, während der Befahrung die Gassen zentimetergenau zu tracken, diese Koordinaten anderen Systemen zur Verfügung zu stellen und die Rückegassen so jederzeit wieder exakt auffindbar zu machen. Darüber hinaus können Ersterschließungen vor Ort oder im Büro digital geplant, optimiert und per Leitstrahl ohne Markierung im Gelände gefahren werden.

Mehrfachbefahrung und unnötige Über- oder Untererschließung gehören durch diese dauerhafte exakte digitale Dokumentation der Vergangenheit an. Aus erfassten Käferholzflächen entstehen bei Bedarf mit einem Klick Pflanzflächen, die entsprechend ergänzt werden können. Aus diesen leiten sich die Aufträge zur Kultursicherung und zur weiteren Pflege ab. Das Objekt selbst ist immer klar definiert und auch nach Jahrzehnten wieder auffindbar. Und es entsteht nebenbei eine nachvollziehbare Dokumentation über seinen Werdegang.

Die Kombination aus Präzisions-GNSS-Daten und schlüssigem Datenfluss macht das NetwakeVision-System zu einem einzigartigen Werkzeug im Wald, welches durch die Kooperation verschiedener Firmen sein ganzes Spektrum an Möglichkeiten entfalten kann.

Durch die Kooperation mit Ponsse/Wahlers, welche das hochgenaue System in seine Harvester und Forwarder einbaut, können Daten zwischen Waldbesitzer, Maschinenführer und Waldarbeitern fließend ausgetauscht werden. Dies ermöglicht einen enormen Organisationsfortschritt, verbunden mit großer Zeitersparnis. Das ist vor allem in Zeiten von wechselndem Personal und auswärtigen Mitarbeitern mit zum Teil geringen Deutschkenntnissen ein wichtiger Faktor.

Mit seinen Dokumentations- und Vernetzungsmöglichkeiten wird die angestrebte Waldwirtschaft 4.0 bereits jetzt Realität. „Ohne das NetwakeVision-System hätte ich unter den Extembedingungen der letzten Jahre die Arbeit in den kleinst-parzellierten Privatwäldern kaum zeitgerecht bewältigen können“, sagt Martin Roth, ein Revierleiter aus dem Bodenseekreis. Er nutzt das Programm schon seit einigen Jahren.

Digital vernetzte Forstwirtschaft mit dem NetwakeVision System

Florian Krepela, netwakevision.com